Die Vielfalt macht´s!
Achtsame Mediennutzung im Alltag von Kindern und Erwachsenen

Medien – ein allumfassendes Thema, dass uns heutzutage überall begegnet, ständig begleitet und nicht mehr wegzudenken ist. Wie oft sitze ich abends vor dem Fernseher, einfach nur, um mich bedudeln zu lassen, scheinbar abzuschalten vom Alltag, der manchmal ganz schön kräftezehrend sein kann. Erstaunlicherweise stelle ich immer öfter fest, dass ich nach dem vermeintlichen „Abschalten“ nicht wirklich entspannter bin. Doch wie gelingt es mir, Gewohnheiten, die mir nicht guttun, zu durchbrechen?
Ich denke, wir alle kennen die Empfehlung, dass Kinder unter drei Jahren keine Medien, sprich keine Bildschirme – und damit auch keine Handys - nutzen sollten. Was für unsere Eltern früher gar keine Relevanz hatte, erscheint der Elterngeneration von heute fast unmöglich. Kein Bildschirm für unsere Kinder, wenn sie uns als Mama oder Papa selbst ständig am Smartphone oder vor dem Tablet sehen? Uff…! Aber ich kann euch sagen, es ist möglich! Es kostet allerdings den Preis, dass ich mir als Erwachsener meines Medienkonsums bewusst werde und mir Gedanken darüber mache, wann, wie und wo das Handy angebracht ist. Unsere Kinder zum Beispiel wissen, dass das Handy zum Fotos machen dient und ich es allein dafür ein paarmal am Tag in die Hand nehme. Auch telefoniere ich mit dem Handy oder bin darüber erreichbar – das war früher nicht notwendig, denn man hatte einen Festnetzanschluss. Ich kann zudem entscheiden, ob ich dringende WhatsApp Nachrichten während der gemeinsamen Spielzeit mit den Kindern beantworte oder ob ich damit bis zum Abend warte.
Die Zeiten haben sich also geändert und es ist legitim, sich mit diesen Veränderungen zu bewegen. Oft entdecke ich allerdings, dass Kinder uns in unserem uneingeschränkten Konsum nachahmen; so entstehen Alltagssituationen von Eltern, die ihr Kind im Kinderwagen schieben und das Kind sich vorbildlich ruhig verhält, weil es im Alter von einem oder zwei Jahren das Handy der Eltern in der Hand hält und sich eine Sendung ansieht oder eine App spielt. Dafür ist das kindliche Gehirn gar nicht ausgestattet! Nicht umsonst warnen Ärzte vor dem Medienkonsum unter drei Jahren. Einige Apps und auch Serien entsprechen nicht unbedingt dem Entwicklungs- oder Altersstand des Kindes, haben Suchtcharakter, sind von den Bewegungen und Abläufen her sehr schnell bzw. beinhalten zu viele und immer wiederkehrende Reize (vgl. DAK Gesundheit). Die Gehirnstrukturen des Kleinkindes sind nicht dafür ausgerüstet, diesen schnellen Reizen folgen, geschweige denn sie verarbeiten zu können. Die kindliche Entwicklung im Kleinkindalter vollzieht sich langsam, weil Kinder das Erlernte verstehen, vernetzen müssen, Zeit brauchen, es anwenden und umsetzen zu können.
Womit wir unsere Kinder also erst einmal vermeintlich ruhigstellen, wird sich an anderer Stelle in ihrer Entwicklung nicht zum Positiven auswirken. Die Rechnung kommt meist hinterher, beispielsweise, wenn das Kind unter einer Konzentrationsstörung leidet, die uns aber erst in der Grundschule auffällt, weil das Kind keine zehn Minuten Aufmerksamkeit auf die Hausaufgaben lenken kann.
Für unsere Kinder ist es ein Fest, wenn sie mit ihrem 3. Geburtstag endlich anfangen dürfen, fernzusehen. Dabei ist es uns wichtig, dass wir als Eltern die Serien und Programme am Anfang steuern. Es ist ein Unterschied, ob wir gezielt entwicklungsgerechte Medien zur Verfügung stellen oder ob das Kind am Tablet über YouTube eine Serie schaut und ein Algorithmus immer wieder Werbung oder die nächste Folge aufploppen lässt. So lässt sich der Konsum viel schwerer steuern. Wir wählen kindgerechte Medien, bei denen nicht zu viel passiert, sodass die Kinder die Geschichten verfolgen können, die von der Dauer her nicht überfordern oder überreizen. Diese Medien findet man beispielsweise in der Bibliothek zum Ausleihen auf DVD. Ja, ganz richtig gelesen! Wir bedienen im 21.Jahrhundert noch eine DVD mit einem externen Laufwerk am PC. Warum auch nicht? Die Vielfalt macht‘s! Über DVD kann man prima einzelne Folgen auswählen, ohne sich mit Werbung herumzuärgern.
Vielfalt bedeutet auch, dass es nicht immer die bekannte Serie aus der Kita sein muss, von der alle reden und die alle schauen. Wenn ich mein Kind diese Serie nicht schauen lassen möchte, dann reicht auch ein Malbuch oder ein Sticker Album dieser Serie, damit mein Kind trotzdem mitreden kann. Kinder erfassen schnell die Inhalte und Namen von Charakteren, wenn sie sich im Kindergarten darüber austauschen. Warum den Kindern nicht zudem mal etwas zeigen, was man selbst in der Kindheit geschaut hat, zum Beispiel die Augsburger Puppenkiste. Das ist stilistisch mal etwas ganz anderes, da es Figuren an Fäden sind, die sich bewegen.
Super Erfahrungen haben wir auch mit der Seite von der Maus gemacht. Diese Seite ist kindgerecht aufgebaut und bietet viele kurze Serien, die nicht nur für Kinder unterhaltsam sind, sondern die ich selbst als Erwachsener sehr witzig finde und gerne schaue. Wir haben beispielsweise mit ein bis zwei Folgen „Trudes Tier“ gestartet. Eine sehr fantasievolle Serie mit viel Witz und Humor und einer Dauer von 7 Minuten. Da schadet es niemandem, auch mal drei Folgen zu sehen.
Klare Regeln und Absprachen helfen, damit der Medienkonsum in einem angemessenen Rahmen genutzt werden kann. Gerade Fernsehen wird im Familienalltag schnell zum Mono-Fokus des Kindes. Alles zielt darauf ab, endlich Fernsehen zu können und dann oft ohne Stopp und Pause. Für Eltern ist das wahrlich schwer zu steuern, wenn man sich nicht ständig streiten und ärgern will. Uns haben klare Regelungen geholfen und feste Tageszeiten. Wir haben gestartet mit sogenannten Abendritualen:
Dazu gehört zunächst das gemeinsame Abendessen zu Tisch, danach wird sich bettfertig gemacht und dann darf sich jedes Kind eine „Nachtkarte“ aussuchen, eine ruhige Aktion wie beispielsweise ein Buch lesen, eine Runde mit dem Tip Toi Stift spielen, ein Puzzle machen oder eben eine kurze Serie schauen. Dazu haben wir noch mit den Kindern gemeinsam die Regel vereinbart (übrigens: gemeinsame Regeln sind wirklich sinnvoll, denn sie verhelfen dazu, dass sich alle dran halten!), dass nur dann, wenn alle Nachtkarten aufgebraucht sind, die Nachtkarte „Fernsehen“ genutzt werden darf. Zu Beginn bedeutete diese Fernsehkarte, gemeinsam mit Mama oder Papa eine Folge „Trudes Tier“ zu schauen. Ohne diese Regelung hätte unser Sohn jeden Tag die Karte Fernsehen genutzt.
Aber wie gesagt, die Vielfalt macht es. Und: Es geht letztlich um Beziehung zu unseren Kindern und darum, gemeinsam Zeit zu verbringen. Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene, die Vielfalt von gemeinsamer Zeit zu gestalten, zu steuern, Reize zu setzen und zu lenken.
Das rückt ein weiteres wichtiges Element beim Thema Umgang mit Medien in den Fokus: die elterliche Begleitung.
Medien laden dazu ein, dass wir unsere Kinder davor parken, ihnen das Tablet in die Hand drücken, um endlich mal in Ruhe dem einen Gedanken nachhängen zu können, den wir schon seit zwei Tagen nicht zu Ende gedacht bekommen haben. Oder ich bin krank, muss aber trotzdem funktionieren und verschaffe mir etwas Pause, indem ich mein Kind Fernsehen gucken lasse. Andersherum genauso, wenn das Kind krank ist. Bitte richtig verstehen: Ich möchte an dieser Stelle niemanden kritisieren, der Medien so verwendet! Ich selbst kenne das auch, manchmal muss es schnell gehen und dann sitzt der Große neben mir in der Küche, spielt an der Maus App und ich koche nebenbei, statt ihn mit meiner vollen Aufmerksamkeit zu begleiten. Was mir nur wichtig ist: Die mediale Welt ist heutzutage ein wahrer Dschungel und wir sollten Kinder sich darin nicht selbst überlassen. Sie müssen das Konsumieren und den Umgang mit Medien erst erlernen. Manche Inhalte sind nicht gut für unsere Kinder, ängstigen sie oder werfen Fragen auf. Gerade dann ist es wichtig, dass wir mit ihnen im Gespräch bleiben. Außerdem geht es um unsere Beziehung, das kann ich nicht oft genug betonen! Wenn wir uns für unsere Kinder wünschen, dass sie einen gesunden Umgang mit Medien erlernen, dann sollten wir das selbst vorleben und sie darin begleiten, damit sie es mit uns gemeinsam lernen können. Medien sollten immer nur eine von vielen Beschäftigungsmöglichkeiten eines Kinderalltags sein. Und dabei auch hier wieder: Die Vielfalt macht´s! Es muss nicht immer nur die Serie auf dem Tablet sein, es kann auch mal ein Hörspiel gehört werden. Besonders reizvoll ist das für meine Kinder, wenn sie mal alleine über ihre Kopfhörer hören können. Oft wählen wir dann Geschichten, die ich selbst gehört habe und von denen ich weiß, dass es kindgerecht aufbereitete Inhalte sind. Spannend sind auch Hörspiele zum Thema Wissen, zum Beispiel von „Checker Tobi“ oder „Willi will´s wissen“. Medien von Tip Toi finde ich auch super, da gibt es eine ganze Bandbreite von Bilderbüchern über Puzzle, Brett- oder Bewegungsspielen bis hin zu einem interaktiven Globus.
Ich hoffe, ich konnte dich mit meinen Ideen und Gedanken rund um Fernsehen, Tablet und Co. inspirieren und vielleicht auch ermutigen, etwas Neues auszuprobieren, denn: die Vielfalt macht’s!
Quellen
DAK Gesundheit: „Das Smartphone und seine Auswirkungen auf das Gehirn von Kindern", unter: https://www.dak.de/dak/gesundheit/psychische-gesundheit/smartphone-auswirkung-kindergehirn_147490 (abgerufen am 08.04.26).

